Deutsche Leberhilfe - Nationaler Strategieplan gegen Virushepatitis in Berlin vorgestellt

„Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft nicht weiter“, erinnert sich Rudolf Schweizer, der im Jahr 2002 seine Hepatitis C erfolgreich besiegte – gerade noch rechtzeitig, denn seine Leber war bereits im Zirrhosestadium. „Es lohnt sich, nach einer solchen Diagnose zu kämpfen und den Weg mit Therapien weiterzugehen, auch wenn es manchmal schwer ist.“ Rudolf Schweizer, der sich bis heute als Vorstandsmitglied für die Leberhilfe einsetzt, hatte Glück im Unglück: Seine Hepatitis C wurde rechtzeitig diagnostiziert.

Viele Betroffene in Deutschland ahnen jedoch nichts von ihrer Erkrankung, bis es zu spät ist. Bis zu eine Million Menschen in Deutschland könnten eine chronische Hepatitis B oder C in sich tragen. Nur eine Minderheit wurde diagnostiziert und noch weniger erhalten eine geeignete Behandlung.

Um diese Situation zu verbessern, wurde am 23. Juli der „Aktionsplan für eine nationale Strategie gegen Virushepatitis in Deutschland“ auf einer Pressekonferenz in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Aktionsplan enthält Vorschläge für dringend notwendige Maßnahmen zur Prävention und für die medizinische Behandlung der Virushepatitis und wurde von einem breiten Bündnis von Organisationen entwickelt: Die beteiligten Institutionen sind die Deutsche Leberhilfe e.V., die Deutsche Leberstiftung und das Aktionsbündnis „Hepatitis und Drogenbrauch“ (mit der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., akzept e.V., dem JES-Bundesverband, dem Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit sowie der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin).

„Es gibt heute gute Therapien, die Hepatitis-Vireninfektionen sogar heilen können, man muss nur früh genug wissen, wer sich infiziert hat“, erklärte PD Dr. Anton Gillessen auf der Pressekonferenz. Es habe schon viele Aktionen vor Ort in Städten gegeben, um darüber aufzuklären. Mit dem Aktionsplan sei es möglich, diese Aktionen auf eine breitere Basis zu stellen und nicht nur einzelnen Institutionen die Initiative zu überlassen. Ebenso sei eine gute Versorgungsforschung wichtig. Damit kann man genauere Daten erfassen, wie Aufklärung, Vorsorge und Behandlung sich tatsächlich verbessern lassen.

Der Aktionsplan – ein strategischer Weg

Ziel des Aktionsplans ist es, Infektionen zu vermeiden und bereits bestehende akute und chronische Infektionen zu erkennen und zu behandeln.

Dafür sind Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen notwendig:

  • Steigerung des Bewusstseins für Virushepatitis und ihre Übertragungswege
  • Einbindung der Strategie in ein Konzept für öffentliche Gesundheit
  • Aufklärung über Virushepatitis als Bestandteil staatlicher Gesundheitsprogramme
  • Abbau der Stigmatisierung von Menschen mit chronischer Virushepatitis
  • Anpassung von Interventionen an die Lebensverhältnisse – das gilt vor allem für besondere Zielgruppen (Migranten, Drogengebraucher, Menschen in Haft usw.)
  • Zugang zu einer leitliniengerechten Therapie für alle Patienten mit einer Virushepatitis
  • Maßnahmen für die weitere Verbesserung der Virushepatitis-Therapie
  • Erhebung von aussagekräftigen Daten zur Häufigkeit von Virushepatitis und deren Krankheitsfolgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs
  • Prävention und Gesundheitsförderung
  • Aufklärung über Virushepatitis muss in bestehende staatliche Gesundheitsprogramme übernommen werden.
  • Testung auf Hepatitisviren muss unter Berücksichtigung und Beteiligung bestimmter Zielgruppen durchgeführt werden.
  • Prävention muss durchgeführt werden, um die Inzidenz und Prävalenz von Virushepatitiden zu verringern.
  • Eine Strategie gegen Hepatitis muss in ein „Public-Health“-Konzept (öffentliche Gesundheit) als Teil einer sozialen und politischen Strategie eingebunden sein.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es verschiedene staatlich unterstützte Institutionen, die das Ziel haben, die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken aufzuklären. Aufklärung zu Virushepatitis wurde bislang nicht ausreichend in staatliche Aufklärungsprogramme aufgenommen.

Dies muss dringend korrigiert werden, um die Zahl der bestehenden Erkrankungen (Prävalenz) und der Neuerkrankungen (Inzidenz) zu reduzieren. Ein wichtiges Instrument zur Senkung von Prävalenz und Inzidenz ist die Untersuchung auf Hepatitisviren. Da es Personenkreise gibt, die einem höheren Hepatitisvirusinfektionsrisiko ausgesetzt sind oder waren, sollten die Zugangsmöglichkeiten und Angebote zur Testung den jeweiligen Gruppen angepasst werden.

Besondere Zielgruppen – besondere Settings

Abbildung 1: Quelle: Aktionsplan für eine nationale  Strategie gegen Virushepatitis in Deutschland. Sie  können das Dokument hier herunterladen: www. welthepatitistag.info/tl_files/whad_download/Aktions-plan_Virushepatitis_FINAL_WEB.pdfAbbildung 1: Quelle: Aktionsplan für eine nationale Strategie gegen Virushepatitis in Deutschland. Sie können das Dokument hier herunterladen: http://www.welthepatitistag.info/tl_files/whad_download/Aktionsplan_Virushepatitis_FINAL_WEB.pdf

Der Aktionsplan soll insgesamt das Bewusstsein für Virushepatitis und ihre Übertragungswege steigern. Dabei sind für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Maßnahmen geplant.

Die Zielgruppen sind:

  • allgemeine Öffentlichkeit
  • Menschen mit Migrationshintergrund
  • Menschen, die Drogen gebrauchen
  • inhaftierte Menschen
  • Männer, die mit Männern Sex haben

Zugang zur Behandlung

Allen Patienten mit Virusinfektionen der Leber in Deutschland soll ein Zugang zu einer leitliniengerechten Therapie ermöglicht werden. Es ist notwendig, Patienten und Ärzte entsprechend besser über Krankheitsverlauf und Therapieoptionen aufzuklären und eine bedarfsgerechte Unterstützung der Betroffenen vor, während und nach der Therapie zu gewährleisten. Die Hepatitistherapie sollte von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden. Die ressourcenintensive Behandlung muss angemessen honoriert werden.

Maßnahmen sind dringend erforderlich, um:

  • eine optimierte Behandlung der Hepatitis B zu erreichen,
  • einen sinnvollen Einsatz der aufwendigen Therapie der Hepatitis C zu gewährleisten,
  • die Behandlungsoptionen für die Hepatitis Delta zu verbessern,
  • bessere Kenntnisse zur chronischen Hepatitis E zu gewinnen.

Starkes Medienecho

Die Pressekonferenz stieß auf breite Resonanz in Fernsehen, Print- und Onlinemedien: Neben dem ZDF widmeten sich auch die Fach- und Publikumspresse dem Thema Hepatitis, z.B. die Ärztzeitung, das Ärzteblatt, die Süddeutsche, der Fokus und die TAZ – um nur einige zu nennen.

Wie geht es weiter?

Der Aktionsplan ist ein wichtiger Schritt, um das Thema Hepatitis verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die beteiligten Institutionen stehen mit dem Bundesministerium für Gesundheit in Kontakt, um die Inhalte des Aktionsplans zu diskutieren. Wir hoffen, dass wir Ihnen in der nächsten Ausgabe der Lebenszeichen hierzu bereits ausführlicher berichten können.

Meldungen

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    27. Juli 2020: Früherkennung ist bei Virushepatitis wichtig weiter

  • Welt-Hepatitis-Tag 2020

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    20. Juli 2020: Therapie mit direkt antiviral wirksamen Medikamenten (DAA) fortsetzen weiter

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    27. Juni 2020: Positive CHMP-Empfehlung weiter

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    16. Juni 2020: NS5A-Inhibitoren bei seltenen Genotypen weiter

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  • Corona

    16. Juni 2020: Deutsche Tracing-App veröffentlicht weiter

  • Akute Hepatitis C

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  • Hepatitis C

    31. Mai 2020: Gewichtzunahme häufig nach Heilung weiter

  • Zoster

    13. Mai 2020: Cave Brivudin und Fluoropyrimidine weiter

  • Hepatitis C

    13. Mai 2020: Anstieg der Neuinfektionen in den USA weiter

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    03. Mai 2020: Ausnahmegenehmigung für Remdesivir in den USA weiter

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    20. April 2020: Paul-Ehrlich-Institut ruft zur Meldung von bullösen Hautreaktionen auf. weiter

  • Bochumer Erklärung

    07. April 2020: Sechs Punkte für Hepatitis C Elimination weiter

  • Corona-Buch

    30. März 2020: Der Stand des Wissens kontinuierlich aktualisiert weiter

  • Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret®)

    10. März 2020: EU-Zulassungserweiterung: 8-Wochen-Therapie bei Therapienaiven mit kompensierter Zirrhose für alle Genotypen (GT1-6) weiter

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    05. Februar 2020: Übersicht zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln weiter

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