Deutsche Leber HilfeDeutsche Leberhilfe e.V.
Bericht zum Welt-Hepatitis-Tag am 19. Mai 2009

Am 19. Mai wurde zum zweiten Mal auf allen Kontinenten der Welt-Hepatitis-Tag begangen. Das Motto lautete wie im Vorjahr „Bin ich die Nummer 12?“ Weltweit leidet einer von zwölf Menschen an einer chronischen Hepatitis B oder C. In Deutschland sind bis zu eine Million Menschen betroffen. Die wenigsten ahnen von ihrer Erkrankung, da eine kranke Leber oft keine Schmerzsignale aussendet.

Zum Welt-Hepatitis-Tag veranstaltete die Deutsche Leberhilfe e.V. bundesweite Lebertestaktionen in über 20 Städten. Ziel war es, über die Virushepatitis, ihre Verbreitung und Therapiemöglichkeiten zu informieren, aber auch von der Bundesregierung nachdrücklich ein Handeln zu verlangen: Die Deutsche Leberhilfe e.V. fordert bessere Screening- und Behandlungsprogramme für Hepatitis B und C. Beide Erkrankungen sind wirksam behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Daher fordert die Leberhilfe, dass der Leberwert GPT in die Vorsorgeuntersuchung Check-Up 35 aufgenommen werden soll. Ein erhöhter GPT-Wert kann ein erstes Zeichen sein, dass mit der Leber „etwas nicht stimmt“.

ALT ATTRIBUTE
WHT 09 Wiesbaden. Infostand der SHG Rhein-Main

Aktionen in Städten

In zahlreichen Städten wurden öffentliche Lebertests, Patientenseminare und andere Veranstaltungen angeboten. Interessierte hatten die Möglichkeit, sich kostenlos den Leberwert GPT, teilweise auch andere Blutmarker bestimmen zu lassen. An einigen Orten wurde mithilfe einer Elastographie auch der Zustand der Leber selbst untersucht. Diese Aktionen wurden durch viele aktive Ärzte und Selbsthilfegruppen vor Ort mitgetragen.

Die Rückmeldungen der Veranstalter waren überwiegend positiv: So standen in Aachen, Offenbach, Neuss und Mainz lange Schlangen von Interessenten an, um an den Lebertests teilzunehmen. Es gab jedoch auch Kritik, da die Presse in einigen Städten wie z.B. Düsseldorf, Siegen, Hamburg und Berlin nur wenig oder gar nicht präsent war. Zwar wurden alle Redaktionen gleichermaßen vor dem Welt-Hepatitis-Tag kontaktiert, aber die Resonanz fiel offenbar je nach Ort und Redaktion sehr unterschiedlich aus. Hier sehen wir für künftige Aktionstage noch einiges an Verbesserungsbedarf und suchen nach Ursachen, warum die Presse sich in einigen größeren Städten so schwer aktivieren ließ.

Facebook und Wer-kennt-wen

Erstmals benutzte die Leberhilfe auch soziale Netzwerke im Internet wie Facebook und Wer-kennt-wen, um auch jüngere Zielgruppen zu erreichen und für das Thema „Hepatitis“ zu begeistern. Diese Online-Communities funktionieren nach dem Schneeballprinzip: Man gründet zu einem Thema eine Gruppe und lädt dazu Freunde ein. Diese wiederum laden weitere Freunde ein, bei denen man denkt, dass sie Interesse an dem Thema haben könnten. So haben wir auf beiden Plattformen 4 Wochen vor dem Welt-Hepatitis-Tag ein bzw. zwei Personen platziert, die angefangen haben, den Schneeballeffekt loszutreten. Bis zum Welt-Hepatitis-Tag fanden sich 250 überwiegend junge und betroffene Personen ein, die rege über das Thema Virushepatitis diskutiert haben.

Besonders interessant war die internationale Vernetzung, da auch in anderen Ländern Online-Gruppen zum Welt-Hepatitis-Tag gegründet worden sind und diese auch an unseren Aktionen interessiert waren. Es haben sich u.a. Gruppen aus Argentinien, Australien und China in unserem Forum gemeldet.

ALT ATTRIBUTE WHT 09 Neuss. Team Prof. Heintges (li)

Leider nicht geklappt: Smartmobs in Berlin und München

Smartmobs sind überraschende, scheinbar spontane Aktionen von Menschenansammlungen an öffentlichen Plätzen, um Aufmerksamkeit auf politische Gegebenheiten oder Missstände zu lenken. Meist kennen sich die Teilnehmer nicht persönlich untereinander und werden über Internetforen, Newsgroups oder Mobiltelefone benachrichtigt. Auch hier haben wir versucht, Neuland zu betreten. In Berlin und München sollten Menschen symbolisch für die verschiedenen Viren Schilder mit den Buchstaben A, B und C hochhalten und an Passanten Aufklärungsbroschüren über Virushepatitis verteilen. Leider haben sich so wenige Leute gefunden, dass die Aktion in Berlin gar nicht stattfand und in München nur knapp 20 Mutige sich beteiligten. Schade! Aber es war den Versuch wert, neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit zu gehen.

Radio, Fernsehen und Expertensprechstunden

Erfreulich ist, dass einige Radio- und Fernsehsender sowie Lokalredaktionen mit Beiträgen auf den Welt-Hepatitis-Tag aufmerksam gemacht haben. So bot beispielsweise die Rheinische Post in Düsseldorf eine Expertensprechstunde zum Thema Hepatitis an, an der Ärzte des Uniklinikums und Gesundheitsamtes sowie Vertreter der Deutschen Leberhilfe e.V. teilnahmen. Zahlreiche Anrufe gingen ein – manche zu einfachen Fragen wie Impfung oder Schutz vor Ansteckung, aber auch komplexe Fragen von chronischen Hepatitis-Patienten, die sich nach neuen Therapiemöglichkeiten erkundigten. Im Fernsehen wurden Interviews mit Ärzten und Selbsthilfevertretern u.a. im WDR und im Center TV ausgestrahlt, auch regionale und überregionale Radiosender wie BR, SWR und WDR machten auf den Welt-Hepatitis-Tag aufmerksam.

Köln: Schnellumfrage am Welt-Hepatitis-Tag

Am Welt-Hepatitis-Tag hat die Deutsche Leberhilfe e.V. eine Blitzumfrage zum Welt-Hepatitis-Tag in der Kölner Innenstadt durchgeführt.

Wir wollten wissen, ob die Passanten (16-75 Jahre alt, je zur Hälfte Frauen und Männer) vom Welt-Hepatitis-Tag wussten. Von 60 Befragten wusste nur einer, dass am 19. Mai Welt-Hepatitis-Tag war.

Auf die Frage „Wissen Sie, was Hepatitis ist?“ antworteten nur 10%, dass sie es nicht wüssten bzw. gaben falsche Antworten. Interessanterweise gaben überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene unter 24 Jahren an, dass Hepatitis eine hoch ansteckende Geschlechtserkrankung  sei – sie wussten aber nicht, ob sie geimpft waren.

Wir haben auch nachgefragt, ob man wisse, wie viele Menschen in Deutschland an einer Virushepatitis leiden (laut RKI: je 400.000 bis 500.00 für HBV und HCV) bzw. wie viele Menschen in Deutschland an AIDS erkrankt sind (laut RKI: 60.000 bis 67.000). Ungefähr ein Drittel der Befragten dachten, es gäbe weniger als 250.000 Menschen mit einer Virushepatitis. Ein weiteres Drittel schätzte die Zahl auf zwischen 250.000 bis 500.000 und das letzte Drittel meinte, es müssten mehr als 500.000 sein, da es ja sonst keinen Welt-Hepatitis-Tag in Deutschland gäbe. Interessant war, dass die Schätzungen zu HIV-Infektionen von der Realität drastisch abwichen: Rund zwei Drittel schätzten, dass es mehr als 250.000 HIV-Fälle in Deutschland gebe. Nur 8% schätzten die Zahl richtig ein.

Dies ist aufgrund der geringen Teilnehmerzahl keine repräsentative Umfrage, obwohl ungestützt befragt wurde; jedoch zeigt sich, dass noch viel getan werden muss, um die Bevölkerung über Hepatitis, aber auch HIV/AIDS aufzuklären.

Größte Resonanz: Online!

Besonders zufrieden sind wir mit der Resonanz im Internet: Hunderte von Internetseiten und Newsgroups berichteten allein im deutschsprachigen Raum über den Welt-Hepatitis-Tag. Besonders erfreulich war, dass über unsere Vor-Ort-Aktionen nicht nur die lokalen Online-Medien berichteten, sondern auch Krankenkassenportale, Wirtschaftsportale und der Online-Dienst des ARD, ZDF und WDR. Aufgegriffen wurde der Welt-Hepatitis-Tag auch von einigen Online-Medien, bei denen man gar nicht vermuten würde, dass diese über einen globalen Gesundheitstag berichten: U.a. stellte Greenpeace den Aktionstag auf seiner ersten Seite vor.

Leberhilfe und Partner

Parallel zum Welt-Hepatitis-Tag startete die Kampagne „Hepatitis B? Am besten testen!“, die von der Deutschen Leberstiftung, der Deutschen Leberhilfe e.V. und der Firma Bristol-Myers Squibb getragen wird. In zahlreichen Städten wurde auf Plakaten und Werbetafeln auf die Kampagne aufmerksam gemacht. In den Kinos und auf dem Internet-Videoportal YouTube läuft zudem ein Kurzfilm mit dem Komikerduo Erkan und Stefan, die als Virus und Blutkörperchen verkleidet über Hepatitis B informieren (derzeitiger Link bei YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=Y2s2IFM5vHY.)

Weltweit

International wird der Welt-Hepatitis-Tag von der World Hepatitis Alliance (WHA) koordiniert. Achim Kautz, Geschäftsführer der Deutschen Leberhilfe e.V., ist im Vorstand der WHA für die Koordination des Aktionstages in Europa verantwortlich. Die WHA und die ihr angeschlossenen Patientengruppen und -vereine waren in über 200 Ländern auf der ganzen Welt aktiv. Einen Überblick finden Sie auf der Webseite http://www.worldhepatitisday.org.

Ursprünglich bestand die Hoffnung, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Resolution zur Virushepatitis herausgeben würde. Doch wegen der aktuell grassierenden Schweinegrippe wurde die World Health Assembly 2009 um drei Tage verkürzt, so dass alle aktuellen Anträge auf Januar 2010 verschoben wurden.

Fazit

Insgesamt lief der Welt-Hepatitis-Tag 2009 deutlich besser als im Vorjahr. Die Berichterstattung im Internet war sehr umfangreich und die meisten örtlichen Aktionen haben gut funktioniert. Die Presseresonanz war in den meisten Aktionsstädten gut, jedoch zeigt sich auch, dass gerade die großen lokalen Medien an Hepatitis kaum Interesse haben, wenn nicht ein Prominenter im Vordergrund steht oder mit entsprechenden Geldmitteln massiv geworben wurde.

Wir hoffen, dass wir mit dem Welt-Hepatitis-Tag dazu beitragen konnten, die Bevölkerung zum Thema Hepatitis zu sensibilisieren, damit sich zukünftig mehr Leute testen lassen und mehr Verständnis gegenüber Betroffenen zeigen. Auch möchten wir uns bei den vielen Unterstützern und Helfern vor Ort bedanken, ohne die der Tag gar nicht zu realisieren gewesen wäre.

Deutsche Leberhilfe e.V. · Achim Kautz · Luxemburger Str. 150 · 50937 Köln
Tel. 0 221-28 299 80 · Fax 0 221-28 299 81
E-Mail: info@leberhilfe.org · www.leberhilfe.org


Meldungen

  • Hepatitis C

    28. September 2020: EASL-Leitlinie zu seltenen Genotypen weiter

  • COVID-19

    25. September 2020: Impfstoffstudie ENSEMBLE gestartet weiter

  • Hepatitis C

    21. September 2020: Neue EASL-Leitlinie empfiehlt Therapie für alle. weiter

  • PrEP

    21. September 2020: HIV-Infektion unter PrEP weiter

  • Hepatitis D

    03. September 2020: Hepcludex® verfügbar weiter

  • Grippe-Impfung

    31. August 2020: Nicht zu früh impfen! Optimal sind Oktober bis November. weiter

  • EASL 2020

    31. August 2020: Aktuelle Analyse zur 8-Wochen-Therapie mit Maviret weiter

  • Hepatitis C

    28. August 2020: Bei Analverkehr auch ohne Blut übertragbar. weiter

  • Deutsche Leberstiftung zum Welt-Hepatitis-Tag

    27. Juli 2020: Früherkennung ist bei Virushepatitis wichtig weiter

  • Welt-Hepatitis-Tag 2020

    23. Juli 2020: Durch Aufklärung und Tests Hepatitis C weltweit eindämmen weiter

  • Hepatitis D

    22. Juli 2020: Härtefallprogramm für Myrcludex B weiter

  • Hepatitis C und COVID-19

    20. Juli 2020: Therapie mit direkt antiviral wirksamen Medikamenten (DAA) fortsetzen weiter

  • Hepatitis D

    27. Juni 2020: CHMP Empfehlung für Myrcludex (Hepacludex®) weiter

  • Veklury® (Remdesivir)

    27. Juni 2020: Positive CHMP-Empfehlung weiter

  • Klopapier und COVID-19

    19. Juni 2020: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Klopapier-Hamstern. weiter

  • Hepatitis C

    16. Juni 2020: NS5A-Inhibitoren bei seltenen Genotypen weiter

  • COVID-19

    16. Juni 2020: Schlechte Prognose bei Leberzirrhose weiter

  • Corona

    16. Juni 2020: Deutsche Tracing-App veröffentlicht weiter

  • Akute Hepatitis C

    31. Mai 2020: AASLD-Leitlinien empfehlen sofortige Behandlung nach Diagnose weiter

  • Hepatitis C

    31. Mai 2020: Gewichtzunahme häufig nach Heilung weiter

    • Ältere Meldungen weiter

      Diese Webseite bietet Informationen rund um das Thema Lebererkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf den viralen Hepatitiden Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D und Hepatitis E, Fettleber und Leberkrebs. Es werden Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie behandelt. Insbesondere bei der Behandlung der Hepatitis B und Hepatitis C hat sich viel geändert. Hier finden eine Übersicht zu den verfügbaren Medikamenten gegen Hepatitis B und C, Studiendaten, Fachinformation und aktuelle Preise. Die aktuellen Informationen aus Medizin und Industrie richten sich an Betroffene und Ärzte.