Fragen und Antworten aus dem Praxisalltag zur Hepatitis C


Prof. Dr. med. Thomas Berg Prof. Dr. med. Thomas Berg
Charité, Campus Virchow-Klinikum, Universitätsmedizin Berlin
Medizinische Klinik m. S. · Hepatologie und Gastroenterologie
Augustenburger Platz 1 · 13353 Berlin
thomas.berg@charite.de

Frage an Prof. Thomas Berg:
Welche prognostische Bedeutung haben erhöhte Transaminasen unter der Therapie der chronischen Hepatitis C?

Prof. Thomas Berg:
In der Regel kommt es unter einer antiviralen Therapie mit Peg-IFNa plus Ribavirin zu einer Normalisierung der Transaminasen. Bei einigen Patienten bleiben die Transaminasen leicht erhöht, obwohl es zu einer kompletten virologischen Response (HCV RNA negativ) gekommen ist. Soweit man weiß, hat das keinen Einfluss auf die SVR. Im Gegenteil, einige Untersuchungen sprechen sogar dafür, dass Patienten mit gering-gradig erhöhten Transaminasen bei kompletter virologischer Response ein besseres dauerhaftes Ansprechen haben.

Selten beobachtet man unter der antiviralen Therapie deutliche Anstiege der Transaminasen und der GGT. Dieses Phänomen kann als eine Nebenwirkung der Interferon und/oder Ribavirin Therapie verstanden werden und ein Anstieg bis zum ca. 5fachen des oberen Normwertes kann toleriert werden. Wenn die Transaminasen jedoch stark ansteigen, sollte an die Möglichkeit der Reaktivierung (oder Induktion) einer autoimmunen Hepatitis gedacht werden. Oft finden sich dann typische Autoantikörper und die IgG Konzentrationen sind erhöht. Eine Steroidtherapie ist in diesen Situationen indiziert.

Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh
Medizinische Universitätsklinik und
Poliklinik I Universitätsklinikum Bonn
Juergen.Rockstroh@ukb.uni-bonn.de

Frage an Prof. Jürgen Rockstroh:
Warum kann man sich immer wieder mit einer Hepatitis C anstecken, wenn die Erkrankung ausgeheilt ist und auch Antikörper im Blut nachweisbar sind?

Prof. Jürgen Rockstroh:
Nur wenige Infektionskrankheiten hinterlassen einen lebenslangen Schutz durch protektive Antikörper. Ein Beispiel ist hier die Hepatitis A. Die bei der Infektion gebildeten Antikörper schützen vor einer erneuten Erkrankung. Bei den meisten Virusinfektionen werden aber keine protektiven Antikörper gebildet, so z.B. bei der HIV-Infektion und bei der Hepatitis C. Bei der Hepatitis C spielt die virusspezifische T-Zellantwort eine größere Rolle. Eine frühe und starke T-Zellantwort ist mit einer Elimination bzw. Kontrolle des Virus und einer selbstlimitierten akuten Hepatitis C assoziiert, eine schwache T-Zellantwort mit viraler Persistenz und chronischem Verlauf der Erkrankung. Die Rolle der humoralen Immunantwort bei der Hepatitis C ist derzeit noch unklar. Deshalb kann man sich immer wieder mit HCV infizieren, auch mit demselben Genotyp. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hepatitis C jedoch erneut abheilt, ist hoch.

Dr. Daniel S. Fierer Dr. Daniel S. Fierer,
Mount Sinai School of Medicine, New York City, USA
mount sinai school of medicine Department of Medicine - Infectious Disease
5 East 98th Street, 11th Floor New York, NY 10029
daniel.fierer@mssm.edu

Frage an Prof. Daniel Fierer:
Ist die Hepatitis C sexuell übertragbar?

Prof. Daniel Fierer:
Grundsätzlich ist HCV auch sexuell übertragbar. Bei heterosexuellem Kontakt sind Einzelfälle beschrieben, doch die Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass man im Allgemeinen kein Kondom empfiehlt. Anders scheint es bei HIV-infizierten MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) zu sein. In dieser Population wird seit einigen Jahren ein Anstieg der akuten Hepatitis C beobachtet. Eine detaillierte Analyse hat ergeben, dass zu den Risikofaktoren auch ungeschützter rezeptiver Sex gehört, anal wie oral. Es sind aber auch noch viele Fragen offen. Ob es sich hier tatsächlich um einen Anstieg der Inzidenz handelt oder ob die Erkrankung einfach häufiger diagnostiziert wird, ist unklar. Ebenso ist unklar, was MSM für die Hepatitis C prädisponiert. Ob bei ihnen die HCV-Konzentration im Sperma höher ist, ob geringe Schleimhautläsionen/irritationen entscheidend sind oder der Immundefekt die Infektion begünstigt, wissen wir nicht. Dennoch empfehle ich angesichts der bisherigen Beobachtungen schwulen Männern ein Kondom zum Schutz vor HCV.

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