Fragen und Antworten aus dem Praxisalltag HBV-Resistenz

Prof. Dr. Jörg Petersen Prof. Dr. Jörg Petersen
Universitätsklinikum Hamburg
Medizinische Klinik
Martinistraße 52
D-20246 Hamburg
joepeter@uke.uni-hamburg.de

Frage an Prof. Dr. Jörg Petersen, Hamburg:
Chronische Hepatitis B: Braucht man vor Therapiebeginn einen Resistenztest?

Prof. Jörg Petersen: Klare Antwort - bislang nicht. Das HB-Virus lebt im Körper nur 1-4 Stunden. Pro Tag werden zwischen 1.010 und 1.012 Viruskopien/ml gebildet. Innerhalb dieser großen "Virenfamilie" gibt es Subpopulationen, die genetische Mutationen aufweisen, die mit einer Resistenz gegen ein Medikament verbunden sein können. In Studie hatten etwa 10% aller untersuchten Patienten vor Therapiebeginn solche Polymorphismen. Bislang gibt es aber noch keinen Beleg dafür, dass diese Varianten klinisch relevant sind, d.h. dass sie unter einem Nukleos(t)id selektiert werden und tatsächlich zur manifesten Resistenz führen. Solche Studien brauchen wir und sie laufen auch bereits.

Erst wenn diese Daten vorliegen, kann man die Frage endgültig beantworten.

Ein weiterer Aspekt, der gegen die Resistenztestung spricht, sind die Kosten. Es gibt mittlerweile zwar kommerzielle Tests, die Kosten von rund 200,-- € sind aber nicht erstattungsfähig. Wenn man allerdings den Genotyp wissen will, ist das Geld für den Resistenztest gut angelegt, denn der Genotyp wird ebenfalls durch eine Gensequenzierung ermittelt.

Prof. Stefan Zeuzem Prof. Stefan Zeuzem
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität
Medizinische Klinik I
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
zeuzem@uni-frankfurt.de

Frage an Prof. Stefan Zeuzem, Frankfurt:
HCV-Retherapie: Soll man das Interferon wechseln?

Prof. Stefan Zeuzem: Direkte Vergleiche der pegylierten Interferone liegen bislang nur für therapienaive Patienten vor, z.B. in der IDEAL-Studie und anderen. Solche Kopf-an-Kopf-Vergleiche gibt es für vortherapierte Patienten nicht. In den Studien zur Zweittherapie wurde typischerweise jeweils das komplementäre PEG-Interferon benutzt.

Es könnte aber durchaus sein, dass ein Nonresponder bzw. Relapser bei der erneuten Therapie unabhängig von der Art des PEG-Interferons dauerhaft anspricht. Möglicherweise ist es nicht relevant, welches PEG- Interferon eingesetzt wird.

Die Frage lässt sich wissenschaftlich nicht beantworten.

Aus psychologischen Gründen kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, bei der Re-Therapie das andere PEG-Interferon einzusetzen. Der Patient hat das Gefühl, dass sich etwas bei seiner Therapie geändert hat - aber wissenschaftlich ist ein Wechsel - wie gesagt - nicht zu begründen.

Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh
Medizinische Universitätsklinik und Poliklinik I
Universitätsklinikum Bonn
Juergen.Rockstroh@ukb.uni-bonn.de

Frage an Prof. Jürgen Rockstroh, Bonn:
HBV-Impfung: Muss man Patienten mit abgeheilter Hepatitis B (HBc-AK positiv, HBsAg negativ) aber ohne nachweisbare schützende Antikörper (HBs-AK <10 IU/ml) gegen Hepatitis B impfen?

Prof. Jürgen Rockstroh: Immunkompetente Patienten mit dieser Konstellation muss man nicht impfen. Studien haben gezeigt, dass im Falle eines Kontaktes mit HBV rechtzeitig schützende Antikörper gebildet werden. Bei immunsupprimierten Patienten liegen ebenfalls keine Daten vor die einen Benefit für die Impfung ergeben. Damit ist ebenfalls keine Impfung notwendig.

Bei Patienten mit HIV-Infektion kann bei reinem anti-HBc-AK-Nachweis auch unter Umständen eine okkulte Hepatitis B vorliegen. Hier empfiehlt sich bei entsprechendem Verdacht, z.B. unklar erhöhten Transaminasen,eine einmalige qualitativ HBV-DNA Bestimmung. Bei HIV-Patienten wurde in Studien bei zwischen 0 und 20% der Patienten eine solche okkulte HBV-Infektion beobachtet. Die klinische Bedeutung der okkulten Hepatitis B bleibt aber weiterhin unklar.

Reaktivierung einer Hepatitis B sind allerdings für HIV-Patienten mit komplett zusammen gebrochenem Immunsystem beschrieben worden.

Meldungen

  • Deutsche Leberstiftung zum Welt-Hepatitis-Tag

    27. Juli 2020: FrĂĽherkennung ist bei Virushepatitis wichtig weiter

  • Welt-Hepatitis-Tag 2020

    23. Juli 2020: Durch Aufklärung und Tests Hepatitis C weltweit eindämmen weiter

  • Hepatitis D

    22. Juli 2020: Härtefallprogramm für Myrcludex B weiter

  • Hepatitis C und COVID-19

    20. Juli 2020: Therapie mit direkt antiviral wirksamen Medikamenten (DAA) fortsetzen weiter

  • Hepatitis D

    27. Juni 2020: CHMP Empfehlung für Myrcludex (Hepacludex®) weiter

  • Veklury® (Remdesivir)

    27. Juni 2020: Positive CHMP-Empfehlung weiter

  • Klopapier und COVID-19

    19. Juni 2020: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Klopapier-Hamstern. weiter

  • Hepatitis C

    16. Juni 2020: NS5A-Inhibitoren bei seltenen Genotypen weiter

  • COVID-19

    16. Juni 2020: Schlechte Prognose bei Leberzirrhose weiter

  • Corona

    16. Juni 2020: Deutsche Tracing-App veröffentlicht weiter

  • Akute Hepatitis C

    31. Mai 2020: AASLD-Leitlinien empfehlen sofortige Behandlung nach Diagnose weiter

  • Hepatitis C

    31. Mai 2020: Gewichtzunahme häufig nach Heilung weiter

  • Zoster

    13. Mai 2020: Cave Brivudin und Fluoropyrimidine weiter

  • Hepatitis C

    13. Mai 2020: Anstieg der Neuinfektionen in den USA weiter

  • COVID-19

    03. Mai 2020: Ausnahmegenehmigung fĂĽr Remdesivir in den USA weiter

  • Shingrix®

    20. April 2020: Paul-Ehrlich-Institut ruft zur Meldung von bullösen Hautreaktionen auf. weiter

  • Bochumer Erklärung

    07. April 2020: Sechs Punkte fĂĽr Hepatitis C Elimination weiter

  • Corona-Buch

    30. März 2020: Der Stand des Wissens kontinuierlich aktualisiert weiter

  • Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret®)

    10. März 2020: EU-Zulassungserweiterung: 8-Wochen-Therapie bei Therapienaiven mit kompensierter Zirrhose für alle Genotypen (GT1-6) weiter

  • Leberzirrhose

    05. Februar 2020: Ăśbersicht zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln weiter

    • Ă„ltere Meldungen weiter

      Diese Webseite bietet Informationen rund um das Thema Lebererkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf den viralen Hepatitiden Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D und Hepatitis E, Fettleber und Leberkrebs. Es werden Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie behandelt. Insbesondere bei der Behandlung der Hepatitis B und Hepatitis C hat sich viel geändert. Hier finden eine Übersicht zu den verfügbaren Medikamenten gegen Hepatitis B und C, Studiendaten, Fachinformation und aktuelle Preise. Die aktuellen Informationen aus Medizin und Industrie richten sich an Betroffene und Ärzte.