Markus Backmund, München
Überlegungen zur Tripletherapie bei suchtkranken Menschen

Die neuen Proteaseinhibitoren wecken auch bei Suchtkranken neue Hoffnungen. Die Tripletherapie stellt jedoch höhere Anforderungen an Arzt und Patient als die konventionelle Behandlung. Dennoch sollten Suchtkranke nicht grundsätzlich von den neuen Therapiemöglichkeiten ausgeschlossen werden.

Seit Einführung der Hepatitis C-Behandlung kämpfen die Therapeuten sucht-kranker Menschen dafür, die in den ersten Leitlinien aufgeführte Kontrain-dikation „Heroin-/Opioidabhängigkeit“ zu revidieren und die Fachwelt davon zu überzeugen, dass suchtkranke Menschen, insbesondere Heroinabhängige in einem geeigneten Setting sehr gut behandelt werden können (Backmund et al. 2001). Durch die Koppelung der Hepatitis-Medikation an die Substitutionsbehandlung kann eine sehr hohe Adhärenz erreicht werden. Die Medikamente werden nahezu 100 % verabreicht und eingenommen (Waizmann et al. 2010). Jeder Patient, der wegen der Substitutionsbehandlung täglich in die Praxis kommen muss, kann damit sozusagen optimal behandelt werden.

Eigenverantwortliche Einnahme

Bei der Tripletherapie fällt dieser Vorteil weg. Die Patienten müssen in der Lage sein, die HCV-Proteasehemmer eigenverantwortlich dreimal am Tag mit Essen einzunehmen. Prinzipiell gibt Strukturierung Halt und ist deshalb ein wichtiger Pfeiler der Suchttherapie. Kann dies vermittelt werden, könnten die Patienten von der den Tagesablauf strukturierenden Medikamentenvergabe sogar profitieren. Essen bei Tabletteneinnahme stellt - auch wenn es vielleicht befremdlich klingen mag - für einige Patienten, die an der Armutsgrenze leben, ein pekuniäres Problem dar.

Lange Gespräche notwendig

lange Gespräche notwendig

Viele suchtkranke Patientinnen und Patienten haben angespannt und voller Hoffnung auf die neuen Medikamente gewartet. Der Informationstand der Suchtkranken über die zwei Medikamente und die unterschiedlichen Therapieregime ist allerdings noch sehr gering. Hier muss man sich sehr viel Zeit für Aufklärung und Fragen nehmen. An dieser Stelle sei daher auf die Diskrepanz zwischen Aufwendung und Verantwortung des behandelnden Arztes und der Vergütung innerhalb der hausärztlichen Pauschale hingewiesen.

Erste Erfahrungen

Meinen bisherigen Erfahrungen zufolge sind vor Therapiebeginn mindestens drei, meistens aber fünf 20 bis 40 Minuten dauernde Gespräche notwendig, je nachdem ob der Patienten die Nebenwirkungen von pegyliertem Interferon und Ribavirin kennt. Die Entscheidung, welcher Proteasehemmer gewählt wird, wurde nach Gegenüberstellen der charakteristischen Unterschiede beider Substanzen gemeinsam getroffen. Als besonders markant wurden von den Patienten die möglichen Nebenwirkungen „Haut-erscheinungen“ und „das Essen schmeckt womöglich schlecht“  sowie der unterschiedliche Algorithmus empfunden. Wenn keine Angst vor „Hauterscheinungen“ vorlag, bevorzugten die Patienten den gleichzeitigen Beginn und die kürzere Dauer bei der Tripletherapie. Ob etwas mehr oder weniger Fett zu den Tabletten aufgenommen werden muss, spielte für die Patienten eine untergeordnete Rolle.

Dokumentation und Erfahrungsaustausch, im Idealfall Studien zu Verlauf und Ergebnissen der Tripletherapie bei opioidabhängigen Patienten mit Hepatitis C sind anzustreben und für die Praxis von grundlegender Bedeutung, um Entscheidungssicherheit zu erreichen.

Meldungen

  • Hepatitis D

    27. Juni 2020: CHMP Empfehlung für Myrcludex (Hepacludex®) weiter

  • Veklury® (Remdesivir)

    27. Juni 2020: Positive CHMP-Empfehlung weiter

  • Klopapier und COVID-19

    19. Juni 2020: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Klopapier-Hamstern. weiter

  • Hepatitis C

    16. Juni 2020: NS5A-Inhibitoren bei seltenen Genotypen weiter

  • COVID-19

    16. Juni 2020: Schlechte Prognose bei Leberzirrhose weiter

  • Corona

    16. Juni 2020: Deutsche Tracing-App veröffentlicht weiter

  • Akute Hepatitis C

    31. Mai 2020: AASLD-Leitlinien empfehlen sofortige Behandlung nach Diagnose weiter

  • Hepatitis C

    31. Mai 2020: Gewichtzunahme häufig nach Heilung weiter

  • Zoster

    13. Mai 2020: Cave Brivudin und Fluoropyrimidine weiter

  • Hepatitis C

    13. Mai 2020: Anstieg der Neuinfektionen in den USA weiter

  • COVID-19

    03. Mai 2020: Ausnahmegenehmigung für Remdesivir in den USA weiter

  • Shingrix®

    20. April 2020: Paul-Ehrlich-Institut ruft zur Meldung von bullösen Hautreaktionen auf. weiter

  • Bochumer Erklärung

    07. April 2020: Sechs Punkte für Hepatitis C Elimination weiter

  • Corona-Buch

    30. März 2020: Der Stand des Wissens kontinuierlich aktualisiert weiter

  • Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret®)

    10. März 2020: EU-Zulassungserweiterung: 8-Wochen-Therapie bei Therapienaiven mit kompensierter Zirrhose für alle Genotypen (GT1-6) weiter

  • Leberzirrhose

    05. Februar 2020: Übersicht zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln weiter

  • Coronavirus

    29. Januar 2020: Hier der aktuelle Wissensstand weiter

  • European Center for Disease Control

    26. Januar 2020: Europäische Behörde rechnet mit Ausbreitung des neuen Corona-Virus weiter

  • Influenza

    16. Januar 2020: Die saisonale Grippewelle hat begonnen. weiter

  • HCV-RNA

    12. Januar 2020: HCV-RNA zwei Monate vor Antikörper-Konversion nachweisbar weiter

    • Ältere Meldungen weiter

      Diese Webseite bietet Informationen rund um das Thema Lebererkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf den viralen Hepatitiden Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D und Hepatitis E, Fettleber und Leberkrebs. Es werden Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie behandelt. Insbesondere bei der Behandlung der Hepatitis B und Hepatitis C hat sich viel geändert. Hier finden eine Übersicht zu den verfügbaren Medikamenten gegen Hepatitis B und C, Studiendaten, Fachinformation und aktuelle Preise. Die aktuellen Informationen aus Medizin und Industrie richten sich an Betroffene und Ärzte.