Wie lange Antibiotika einnehmen?

09. November 2017

Mitteilung DGI zur Welt-Antibiotika-Woche

Vielen Menschen ist folgende Regel geläufig: Ein Antibiotikum sollte auch noch nach dem Verschwinden der Symptome und stets bis zum Ende der Packung eingenommen werden. Doch diese Faustregel ist überholt. Untersuchungen der letzten Jahre liefern immer mehr Belege, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam ist.

Eine kürzere Therapie hat zudem den Vorteil, dass weniger resistente Erreger entstehen. Dennoch sollten Patienten Antibiotika nicht in Eigenregie absetzen, sobald sie sich besser fühlen. Vielmehr sollten Antiinfektiva individuell abgestimmt auf die bakterielle Infektion und in enger Absprache mit dem Arzt eingenommen und abgesetzt werden. Denn eine Pauschalisierung, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe, könne für manche Patienten gefährlich sein, teilt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e. V. (DGI) anlässlich der WHO World Antibiotic Awareness Week mit. Diese findet vom 13. bis 19. November 2017 statt.

In den vergangenen Jahren mehrten sich Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass bei verschiedenen Infektionen kürzere Antibiotikatherapien einer längeren Therapie gleichwertig oder sogar überlegen sind. Beispielhaft zeigte dies etwa eine im Jahr 2016 im renommierten Fachjournal JAMA veröffentliche Untersuchung zur ambulant erworbenen Lungenentzündung: Eine fünftägige Antibiotikatherapie erwies sich in der Studie als ebenso wirksam wie eine 10-tägige.

Viele Jahre ist man davon ausgegangen, dass eine längere Antibiotikatherapie die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Infektion oder die Ausbildung von Resistenzen verringert.

PROF. DR. GERD FÄTKENHEUER, Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln und Vorsitzender der DGI.

„Dahinter stand der Gedanke, möglichst alle krankmachenden Bakterien abzutöten. Heute wissen wir: Je länger die Bakterien dem Selektionsdruck eines antimikrobiellen Wirkstoffs ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überleben überwiegend resistente, also gegen das Mittel unempfindliche Erreger.“ Eine kürzere Antibiotikatherapie hat nicht nur den Vorteil von weniger Resistenzentstehung – sie geht auch mit weniger Nebenwirkungen einher.

Dennoch bedeutet dies nicht, dass Patienten ein Antibiotikum eigenhändig absetzen sollten, sobald ihre Symptome verschwunden sind.

PROF. DR. WINFRIED KERN, Vorstandsmitglied der DGI und Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg.

„Für solch eine einfache Faustregel ist die moderne Antibiotikatherapie zu komplex.“ Vielmehr gilt: Es hängt von der Art der Erkrankung, ihrer Schwere, dem individuellen Verlauf und dem jeweiligen Bakterientyp ab, wie lange ein Antibiotikum eingenommen werden muss. „Bei einer Harnwegsinfektion kann es mitunter ausreichen, das Medikament nur einen Tag lang einzunehmen. Im Falle einer schweren Infektion mit Staphylokokken dagegen müssen Betroffene Antibiotika oft mehrere Wochen lang zu sich nehmen. Hier beispielsweise könnte eine zu kurze Therapie zu Komplikationen und Resistenzbildung führen“, erklärt Gerd Fätkenheuer.

Einen Königsweg im Umgang mit Antibiotika gibt es nicht. In welchen Fällen ein Mittel abgesetzt werden kann, sobald die Symptome abgeklungen sind, und in welchen Fällen nicht, kann nur ein Arzt entscheiden. Die DGI rät deshalb betroffenen Patienten, das Medikament nicht eigenmächtig wegzulassen und zudem darauf zu achten, die Therapie nicht zu unterbrechen oder Dosen zu vergessen. „Ein Arzt gibt idealerweise eine Einnahmedauer vor, die gezielt auf die jeweilige Infektion und ihren zu erwartenden Verlauf abgestimmt ist“, so Fätkenheuer. Sind die Symptome frühzeitig ausgeheilt oder schlägt das Mittel nicht an, sollte der Patient den Arzt kontaktieren und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen. „Wie bei jedem anderen Medikament gilt auch für Antibiotika: Die Einnahme sollte so kurz wie möglich, aber so lange wie nötig erfolgen.“

 Mit der WHO World Antibiotic Awareness Week (Weltantibiotikawoche) möchte die Weltgesundheitsorganisation auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Antibiotika aufmerksam machen, um die Ausbreitung von Resistenzen einzudämmen. Die WHO World Antibiotic Awareness Week findet vom 13. bis 19. November 2017 statt und steht unter dem Motto: „Think Twice. Seek Advice.” Damit ruft die Organisation dazu auf, bei der Verwendung von Antibiotika stets ärztlichen Rat einzuholen.

Literatur:


Meldungen

  • 16. HepNet Symposium

    15. April 2019: Am 28.-29. Juni 2019 findet die die Deutsche Lebertagung – das 16. HepNet-Symposium – in Hannover statt. weiter

  • Hepatitis C

    12. April 2019: 40% der Neuinfektionen bei HIV-negativen MSM weiter

  • Gilead startet Programm zur Förderung der Elimination von Hepatitis C

    04. April 2019: Geeignete Organisationen werden mit bis zu 100.000 Pfund über 12 Monate unterstützt weiter

  • Glecaprevir/Pibrentasvir

    28. März 2019: Für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen weiter

  • Hepatitis C

    26. März 2019: Neue Substanzen in der Entwicklung: Entryinhibitoren weiter

  • Hepatitis C

    08. März 2019: Ledipasvir/Sofosbuvir in der Schwangerschaft weiter

  • Hepatitis C

    08. März 2019: HCV-Mikroelimination in London weiter

  • Hepatitis B

    17. Februar 2019: Patienten mit chronischer Hepatitis B sterben früher. weiter

  • Nachwuchsforschungspreis Leberkrebs

    13. Februar 2019: Bewerbungen können bis zum 30. April 2019 eingereicht werden. weiter

  • HCV-Therapie als Prävention

    06. Februar 2019: In Island 80% weniger HCV-Neuinfektionen bei IV-Drogengebrauchern. weiter

  • Hepatitis C: Vorsicht Unterzucker bei Therapie

    31. Januar 2019: Bei Diabetikern kann die Behandlung mit direkt antiviralen Arzneimitteln (DAA) den Zuckerstoffwechsel verbessern und damit das Risiko einer Hypoglykämie erhöhen. weiter

  • ACTG A5353 Studie - Schneller Abfall der Viruslast bei dem 2DR DTG + 3TC

    29. Januar 2019: Die beim HIV-Kongress in Glasgow vorgestellte ACTG A5353 Studie ist eine unverblindete einarmige Phase-II Pilotstudie, welche das 2-Drug Regimen DTG + 3TC bei nicht-vorbehandelten Patienten untersucht. weiter

  • RKI meldet Start der Grippewelle

    28. Januar 2019: Bislang 6334 labordiagnostisch bestätigte Influenza Fälle. 20 mit Influenzaviren infizierte Personen verstorben. weiter

  • Deutsches Hepatitis C-Register

    28. Januar 2019: Hohe Heilungsraten mit 8 Wochen Glecaprevir/Pibrentasvir (G/P) in verschiedenen Subgruppen. weiter

  • Hepatitis C: Neue Genotypen entdeckt

    22. Januar 2019: Das HC-Virus ist extrem mutationsfreudig und deshalb ist es kein Wunder, dass es verschiedene Genotypen gibt. Nun wurden zu den bisher bekannten zwei weitere entdeckt. weiter

  • Neuberufung des Konsiliarlabors für CMV

    22. Januar 2019: Professor Dr. Thomas Stamminger wurde als Leiter des Konsiliarlabors für Cytomegalievirus neu berufen. weiter

  • RKI-Ratgeber zu Yersiniose

    22. Januar 2019: Aktuell und kurz fasst der Ratgeber des RKI alle Informationen zu Yersiniose zusammen. weiter

  • Neues Zentrum im Robert Koch-Institut

    21. Januar 2019: Das neue "Zentrum für internationalen Gesundheitsschutz (ZIG)" soll weltweite Gesundheitsgefahren erkennen und abwehren. weiter

  • Deutscher Lebertag am 20.11.2018

    18. November 2018: Während des bundesweiten Aktionstages findet eine kostenfreie Telefonaktion statt. weiter

  • Hepatitis C

    13. November 2018: Viren in Nase und Enddarm nachgewiesen weiter

    • Ältere Meldungen weiter

      Diese Webseite bietet Informationen rund um das Thema Lebererkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf den viralen Hepatitiden Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D und Hepatitis E, Fettleber und Leberkrebs. Es werden Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie behandelt. Insbesondere bei der Behandlung der Hepatitis B und Hepatitis C hat sich viel geändert. Hier finden eine Übersicht zu den verfügbaren Medikamenten gegen Hepatitis B und C, Studiendaten, Fachinformation und aktuelle Preise. Die aktuellen Informationen aus Medizin und Industrie richten sich an Betroffene und Ärzte.