Die Elimination von HCV bei HIV-positiven MSM in Berlin

Washington DC, 22. Okt. 2017

Welche Erfolgsaussichten haben die Eliminationsstrategien?

Hintergrund und Zielsetzung

HIV-positive MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) haben einen guten Zugang zur modernen DAA-Therapie. Dennoch ist die Inzidenz und Prävalenz der Hepatitis C in dieser Gruppe alarmierend hoch. Wie kann man die Hepatitis C hier am besten zurückdrängen bzw. ganz eliminieren?

Methodik

Es wurde ein dynamisches Transmissions-Modell für die Gruppe der HIV-positiven MSM entwickelt und an die Situation in Berlin angepasst. Basierend auf den Daten von 1996-2014 wurde der Erfolg verschiedener Strategien berechnet.

Ergebnisse

Der errechnete Ausgangspunkt ist eine Inzidenz der HCV-Infektion im Jahr 2016 von 2,5/100 PJ (Personenjahre). Die Inzidenz bis zum Jahr 2030 steigt auf 3,8/100 PJ, wenn die Hepatitis C nicht behandelt wird. Sie sinkt auf 1,9/100 PJ, wenn die Behandlungsrate gleich bleibt wie 2016 und sie fällt auf 0,4/100 PJ, wenn alle Neuinfizierten innerhalb von 6 Monaten nach Diagnose und 25 % der bekannten Infektionen behandelt werden. Um eine Elimination der Hepatitis C in dieser Gruppe (definiert als Reduktion der Inzidenz um 90 %) zu erreichen, muss innerhalb von 3 Monaten nach Neudiagnose behandelt werden oder das Risiko durch Verhaltensänderung um 10 % gesenkt werden.

Fazit

Um die HCV-Epidemie bei HIV-positiven MSM in Berlin zu stoppen, müssen HIV-positive MSM ihr Risikoverhalten ändern und alle Patienten rasch nach HCV-Neudiagnose behandelt werden.

Dr. med. Ramona PauliDr. med. Ramona Pauli
Fachärztin für Allgemeinmedizin
und Innere Medizin, Infektiologie,
Gemeinschaftspraxis am Isartor,
Isartorplatz 6, 80331 München

Kommentar Dr. med. Ramona Pauli

HIV-positive MSM und intervenöse Drogengebraucher sind die Gruppen mit den höchsten Raten an Neu- und Reinfektionen. Will man das erklärte Ziel der WHO, nämlich die Elimination der Hepatitis C bis 2030 erreichen, muss man auf diese Gruppen zugeschnittene Strategien entwickeln. Bei den HIV-positiven MSM ist hier die frühzeitige Behandlung ganz entscheidend. Das heißt: Wir brauchen eine Zulassung der DAA für die akute Hepatitis C! Gleichzeitig sind Verhaltensänderungen notwendig und wichtig.

PD Dr. med. Christian SteibPD Dr. med. Christian Steib
Oberarzt der Medizinischen Klinik
und Poliklinik II, Campus Großhadern,
Klinikum der Universität München,
Marchioninistraße 15, 81377 München

Kommentar PD Dr. med. Christian Steib

Die Studie geht der interessanten Fragestellung nach, wie wir die Hepatitis C bei HIV-infizierten Männern im MSM-Setting eliminieren können. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Population, die aber in infektiologischen Praxen sicherlich eine sehr wichtige Rolle spielt. Es wurde ein dynamisches Transmissionsmodell entwickelt, das die Inzidenz, die HCV-Seroprävalenz und die Reinfektionsrate zu berücksichtigen versucht. Somit wird unter Beibehaltung der aktuellen Behandlungsstrategie lediglich eine Reduktion der Inzidenz auf 1, 9 pro 100 Personenjahre im Jahr 2030 erreicht. Würde man dagegen 100 % der Patienten innerhalb von 6 Monaten nach erster Diagnosestellung behandeln und 25 % der Patienten pro Jahr, bei denen bereits früher eine Hepatitis C diagnostiziert wurde, aber bislang noch nicht behandelt ist, so könnte man im Jahr 2030 die Inzidenz um 84 % reduzieren auf 0,4/100 Personenjahre. Für eine Elimination (90 % Reduktion der Inzidenz) müsste man den Zeitpunkt zwischen Diagnose und Behandlungsinitiierung nochmals auf 3 Monate reduzieren. Daneben sollte man aber natürlich auch entsprechend intervenieren, um die Übertragungsraten zu reduzieren. Die Studie zeigt uns also eindeutig, dass hier trotz moderner Therapien möglicherweise weiterhin ein schwerwiegendes Problem vorliegt. Deswegen sollte man die Prävention ausbauen und die Initiierung der Behandlung forcieren, um eine deutliche Senkung der Inzidenz zu erreichen. Dies ist insbesondere bei den modernen Möglichkeiten einer DAA-Therapie vor allem praxisorientiert zu sehen. Diese Modellrechnung zeigt uns also sehr schön, wie entscheidend es potentiell ist, gerade bei Risikogruppen frühzeitig und effektiv zu therapieren.

Meldungen

  • Hepatitis C

    13. November 2018: Viren in Nase und Enddarm nachgewiesen weiter

  • Ausschreibung Deutsche Leberstiftung

    08. Oktober 2018: Ab sofort sind Bewerbung und Einreichung für den „Preis der Deutschen Leberstiftung“ möglich. weiter

  • Hepatitis C

    07. Oktober 2018: 8 Wochen Glecaprevir/Pibrentasvir heilen 99% der substitutierten Patienten. weiter

  • Hepatitis C

    29. September 2018: Hepatitis C mit Strategien zur Mikroelimination besiegen. weiter

  • Hepatitis C

    16. September 2018: Hersteller Gilead Sciences behält sein Patent für Sofosbuvir (Sovaldi®). weiter

  • Iberogast®

    12. September 2018: Kontraindiziert bei Lebererkrankungen und Schwangerschaft. weiter

  • Hepatitis C

    31. August 2018: Neue Leitlinie des Bund der niedergelassenen Gastroenterologen weiter

  • Hepatitis C und Sucht – Herausforderungen und Chancen

    29. August 2018: Interview mit Priv.-Doz. Dr. med. Gerlinde Teuber weiter

  • Hepatitis C

    10. August 2018: Förderung für neuen Schnelltest weiter

  • Hepatitis E

    10. August 2018: Silvesterol – neues DAA gegen HEV? weiter

  • Strategien für ein Leben ohne Hepatitis C

    31. Juli 2018: Gesundheitsinitiative PLUS als regionaler Ansatz weiter

  • Welt-Hepatitis-Tag 2018

    31. Juli 2018: Findet die fehlenden Millionen! 28. Juli 2018 weiter

  • Hepatitis A in Marokko

    16. Juli 2018: Im letzten halben Jahr wurden vermehrt HAV-Infektionen bei Reisenden beobachtet. weiter

  • Galenus-Preis 2018

    02. Juli 2018: Maviret® mit im Wettbewerb weiter

  • Preis der Deutschen Leberstiftung

    02. Juli 2018: Auch dieses Jahr zeichnete die Deutsche Leberstiftung wieder eine wegweisende hepatologische Publikation aus. weiter

  • Hepatitis C

    27. Juni 2018: Neuer Preis für Epclusa® 12 Wochen: 29.989,95 € weiter

  • Hepatitis C

    21. Juni 2018: Neuer Preis für Maviret®: 8 Wochen 29.990 €. weiter

  • HIV-Heimtest zugelassen

    20. Juni 2018: Mit dem HIV-Heimtest kann sich jetzt jeder selbst zu Hause testen.weiter weiter

  • Hepatitis E

    20. Juni 2018: Wegen steigender Infektionszahlen HEV-Test bei Blutspenden geplant. weiter

  • Nieren von Spendern mit Hepatitis C verpflanzt

    12. Juni 2018: DAA-Therapie verhinderte die Infektion der Empfänger. weiter

    • Ältere Meldungen weiter

      Diese Webseite bietet Informationen rund um das Thema Lebererkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf den viralen Hepatitiden Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D und Hepatitis E, Fettleber und Leberkrebs. Es werden Krankheitsbild, Diagnostik und Therapie behandelt. Insbesondere bei der Behandlung der Hepatitis B und Hepatitis C hat sich viel geändert. Hier finden eine Übersicht zu den verfügbaren Medikamenten gegen Hepatitis B und C, Studiendaten, Fachinformation und aktuelle Preise. Die aktuellen Informationen aus Medizin und Industrie richten sich an Betroffene und Ärzte.