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Ausgabe 2 - 2009
FAPI-Umfrage der Deutschen Leberhilfe e .V. Qualität der Arzt-Patienten-Beziehung bei Hepatitis B und C Bisher
haben nur wenige Untersuchungen die Beziehung von Hepatitis-Patienten und ihren
Ärzten unter die Lupe genommen. Es ist bekannt, dass Kommunikationsprobleme
gerade bei Hepatitis-Patienten häufig sind; hierunter können die Mitarbeit und
die Therapietreue (Compliance) leiden. FAPI-Umfrage
Arzt-Patienten-Gespräch
Unter der Leitung von
Prof. Dr. med. Claus Niederau haben wir ein Umfrageprojekt mit Hepatitis-B- und
-C-Patienten durchgeführt. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung über das Kompetenznetz Hepatitis gefördert. Dafür haben wir einen
wissenschaftlich geprüften, sogenannten FAPI-Fragebogen verwendet. FAPI steht
für „Fragebogen zur Arzt-Patient-Interaktion“. Darin wurden Fragen zu 14 Themen
gestellt, zu denen es je fünf abgestufte Antworten gab.
Hohe Werte (ein „hoher
FAPI-Index“) bedeuten, dass die Arzt-Patienten-Beziehung gut ist, niedrige
Werte deuten auf eine schlechte bzw. problematische Arzt-Patienten-Beziehung
hin. Weiterhin wurde nach dem Hintergrund, Wohnort und der Erkrankung der
einzelnen Patienten gefragt.
Wir erhielten von
insgesamt 478 Patienten einen ausgefüllten Fragebogen zurück. 80% der Patienten
hatten Hepatitis C und 20% eine Hepatitis B. Dies zeigt, dass Hepatitis
B-Patienten nach wie vor schwerer zu erreichen sind als HCV-Patienten.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen mehrere Dinge:
Zum einen funktioniert die Arzt-Patienten-Beziehung von Hepatitis B- und
C-Patienten offensichtlich schlechter als bei Patienten mit anderen
internistischen Erkrankungen. Frauen waren mit ihrer ärztlichen Betreuung
unzufriedener als Männer und berichteten von mehr Problemen.
Hepatitis B-Patienten mit
aktiver (nicht ausgeheilter) Infektion waren mit ihrer Betreuung etwas
zufriedener als Hepatitis C-Patienten. Betroffene, deren Hepatitis B oder C
ausgeheilt war, waren mit ihrer Arzt-Patienten-Beziehung ebenfalls etwas
zufriedener. Wenig überraschend: Patienten, die weniger als zwei Wochen auf
ihren Termin warten mussten, waren insgesamt zufriedener als solche, die erst
später einen Termin bekamen. Das Gleiche wurde auch bei Wartezeiten in der
Praxis beobachtet: Ab 30 Minuten litt die Laune.
Umgekehrt machte es einen
positiven Unterschied, wie viel Zeit der Arzt sich für das Beratungsgespräch
nahm. Je länger das Arztgespräch, desto zufriedener waren die Patienten.
Insgesamt waren Patienten bei niedergelassenen
Gastroenterologen am zufriedensten, gefolgt von Kliniken und Internisten.
Hausärzte kamen auf der Zufriedenheitsskala an letzter Stelle.
Patienten, die gut über
ihre Erkrankung informiert waren, hatten insgesamt bessere FAPI-Werte als
solche, die sich nicht gut damit auskannten. Zusammen mit der Länge des
Arztgespräches war dies sogar einer der zwei Faktoren, welche die Zufriedenheit
der Patienten am meisten beeinflussten.
Positiv wirkte sich auch
aus, wie viel Geduld die Patienten bei den Wartezeiten mitbrachten, eine kurze
Wartezeit beim Termin und wenn der Arzt seine Patienten zusätzlich noch an eine
Selbsthilfegruppe verwies.
Überraschend: Die Art der
Krankenversicherung (Privat- vs. Kassenpatient) beeinflusste in dieser Umfrage
weder die Wartezeiten noch die Arzt-Patienten-Beziehung. Diese Daten liefern
also keine Hinweise dafür, dass es auf dem Gebiet der chronischen
Virushepatitis die in der Presse und Erfahrungsberichten oft beklagte
„Zwei-Klassen“-Medizin
gibt. Auch die Herkunft je nach Postleitzahl machte keinen Unterschied.
Zusammenfassung
Die
Arzt-Patienten-Beziehung bei chronischer Virushepatitis ist schlechter als bei
anderen internistischen Erkrankungen, wobei die Probleme bei HCV-Infizierten
und Frauen größer sind als bei HBV-Infizierten und Männern. Lange Wartezeiten
und Ungeduld verschlechterten die Arzt-Patienten-Beziehung erheblich. Auch die
Länge des Gespräches, die Wahl des Arztes, der Informationsstand und die
Weiterleitung an eine Selbsthilfegruppe bestimmen aus Patientensicht die
Qualität der Beziehung entscheidend. Der Wohnort und die Art der
Krankenversicherung machten dagegen keinen Unterschied für die
Arzt-Patienten-Beziehung und die Wartezeiten. Prof. Dr. med. C. Niederau Quelle: Claus Niederau, Gabriele Bemba, Achim Kautz, Thomas Bertram, Rudolf Schweizer und Ingo van Thiel: Wartezeiten und Länge des Arztgespräches bestimmen die Qualität der Arzt-Patienten-Beziehung bei chronischer Hepatitis B und C: Ergebnisse einer prospektiven Studie bei 478 Patienten mit chronischer Virushepatitis. In Druck; Veröffentlichung zur DGVS 2009.
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