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Ausgabe 2 - 2009
Hartwig Klinker, Würzburg Ribavirin – Strategien zur Verbesserung des Therapieerfolges Die
Ribavirin-Exposition ist sowohl für den Therapieerfolg als auch für die
Nebenwirkungsrate von besonderer Bedeutung. Deshalb liegt die Frage nahe, ob
sich der Therapieerfolg durch eine Optimierung der Ribavirin-Exposition unter
Berücksichtigung der Pharmakokinetik der Substanz verbessern lässt. Hierzu ist
zunächst eine bessere Kenntnis über die individuelle Ribavirin-Exposition
wünschenswert. Dies erscheint möglich durch die Messung von
RBV-Plasmakonzentrationen mit dem Ziel eines Therapeutischen Drug Monitoring
(TDM). Die Einführung von Ribavirin (RBV), einem
erstmalig bereits 1972 synthetisierten Guanosinanalogon, in die antivirale
Behandlung der chronischen Hepatitis C Ende der 90er Jahre hat die
Therapieergebnisse entscheidend verbessert, wenngleich der exakte
Wirkmechanismus der Substanz in Bezug auf die HCV-Infektion nach wie vor nicht
vollständig aufgeklärt ist (Parker, 2005).
Exposition und Ansprechen
Untersuchungen einer spanischen Arbeitsgruppe
zeigen, dass für das frühe virologische Ansprechen in Woche 12 (early
virological response = EVR) neben dem Vorliegen eines HCV-Genotyp 3 die
Ribavirin-Exposition als unabhängiger Prädiktor eine entscheidende Rolle spielt
(Núñez et al., 2005). Eine vergleichende Analyse der PRESCO-Studie (Ribavirina
España Coinfección, HCV/HIV-Koinfektion), eines HCV-monoinfizierten
Patientenkollektivs (PISG = Pegasys International Study Group) und der
koinfizierten Patienten aus der APRICOT-Studie (AIDS Pegasys Ribavirin
Coinfection Trial) belegt ebenfalls, dass eine hohe Ribavirin-Dosis das frühe
virologische Ansprechen günstig beeinflusst (Ramos et al., 2007). Bereits die
Ribavirin-Exposition am ersten Behandlungstag lässt Rückschlüsse auf ein
anhaltendes Therapieansprechen zu (Loustaud-Ratti et al., 2008).
Mögliche
Ansätze
Aufgrund der bisher
publizierten Daten sowie eigener Untersuchungen kann eine Messung der
RBV-Plasmakonzentration bei Risikopatienten für besonders niedrige oder hohe
RBV-Konzentrationen (ältere Patienten, Patienten mit fortgeschrittener
Niereninsuffizienz, Patienten mit HCV/HIV-Koinfektion unter HAART, stark
übergewichtige Patienten u.a.) eine sinnvolle Maßnahme zur Verbesserung der
Therapieeffizienz und auch der Therapiesicherheit sein. Relevant scheint die
Erhebung pharmakokinetischer Daten vor allem in der Therapieführung von
Patienten mit HCV-Genotyp 1-Infektion zu sein.
Die allgemeinen Anforderungen an ein
Therapeutisches Drug Monitoring (konzentrationsabhängige Toxizität einer
Substanz, enger therapeutischer Bereich, Zusammenhang zwischen
Plasmakonzentration und Wirkung bzw. Nebenwirkung, geringe intra-, hohe
interindividuelle Variabilität der Plasmakonzentrationen, Verfügbarkeit einer
raschen und präzisen analytischen Nachweismethode) werden von Ribavirin
erfüllt.
Da der initialen Ribavirin-Exposition eine große
prädiktive Bedeutung im Hinblick auf das frühe und auch das bleibende
Ansprechen der HCV-Therapie zukommt, ist ein TDM von Ribavirin insbesondere zu
Beginn der Behandlung hilfreich. Über die erforderlichen Ziel-Konzentrationen
von RBV herrscht allerdings noch keine absolute Klarheit (Übersicht bei Morello
et al., 2008). Einerseits sind hohe Konzentrationen zur Erzielung eines
bestmöglichen Behandlungserfolges wünschenswert, andererseits steigt mit
zunehmender Plasmakonzentration das Toxizitätsrisiko, insbesondere die
Ribavirin-assoziierte Anämie, rasch an. Auf der Basis der bisher verfügbaren
Daten sollten RBV-Plasmakonzentrationen zwischen ca. 1.700 und 2.300 ng/ml
angestrebt werden. Die Durchführung weiterer Studien hierzu erscheint jedoch
dringend erforderlich.
Aufgrund der RBV-Pharmakokinetik könnte auch ein
modifiziertes Dosisregime zu Beginn der Behandlung im Sinne einer
RBV-„loading-dose“ oder RBV-Monotherapie-Vorphase den Therapieerfolg weiter
verbessern.
Ribavirin - Pharmakokinetik
Ribavirin wird nach oraler Einnahme rasch
resorbiert, eine maximale Serumkonzentration wird nach ca. 1,5 Stunden
erreicht. Nach einer schnellen Verteilungsphase erfolgt eine langsame
Elimination (bei Einmalgabe 79 Stunden, nach multipler Dosierung ca. 298
Stunden!) letztlich über die Nieren.
Ribavirin wird sehr gut resorbiert. Die
Bioverfügbarkeit beträgt dennoch lediglich 50%, was wahrscheinlich auf einen
erheblichen first-pass-Metabolismus zurückgeht. Ribavirin bindet nicht an
Plasmaproteine. Ribavirin akkumuliert in erheblichem Maße in Erythrozyten, hier
findet sich bei multipler Dosierung eine um den Faktor 50-70 höhere
Konzentration als im Serum.
Ein Steady-state wird grundsätzlich nach ca. 4-6
Halbwertszeiten erreicht, was für Ribavirin bedeutet, dass mit Steady
state-Konzentrationen erst nach etwa 4 bis maximal 7-11 Wochen gerechnet werden
kann.
Ribavirin-Plasmakonzentration
Zur Ribavirin-Plasmakonzentration im Rahmen der
Behandlung der HCV-Infektion sowohl bei Monoinfizierten als auch
HCV/HIV-Koinfizierten liegen inzwischen Daten aus mehreren kleineren und
größeren Studien vor.
Larrat und Mitarbeiter (2003) fanden bei 11
Patienten mit Therapie-Response nach 12 und 24 Wochen signifikant höhere
RBV-Plasmakonzentrationen als bei Nonrespondern. Die mittlere
RBV-Plasmakonzentration bei allen Patienten betrug 2.670 ± 1.060 ng/ml in Woche
12 sowie 3.240 ± 1.350 ng/ml in Woche 24 bei einer erheblichen interindividuellen
Variabilität (Variabilitätskoeffizient adjustiert an die verabreichte Dosis
44-48%).
Bei 108 konsekutiven Patienten unter
Interferon-/Ribavirin-Therapie wurde zu Therapiewoche 4, 8 und 12
zusammengenommen eine mittlere RBV-Konzentration von 1.998 ng/ml gemessen. Die
RBV-Plasmakonzentration hatte bezüglich der Entwicklung einer
Ribavirin-induzierten Anämie einen deutlich besseren Vorhersagewert als die
Ribavirin-Dosierung pro kg Körpergewicht (Lindahl et al., 2004).
In einer japanischen Untersuchung wurden bei 19
Patienten unter einer täglichen RBV-Dosierung von 600-800 mg maximale
steady-state-RBV-Plasmakonzentrationen von 1.100-4.200 ng/ml gemessen. Ein
steady-state wurde nach 4 Wochen erreicht, die Ribavirin-Clearance korrelierte
mit der Nierenfunktion, gemessen als Kreatinin-Clearance. Eine lineare
Beziehung fand sich zwischen der Ribavirin-Plasmakonzentration und dem Abfall
der Hämoglobin-Konzentration (Maeda et al., 2004).
Bei 98 HCV/HIV-koinfizierten Patienten, die im
Rahmen der HCV-Therapie 800-1.200 mg/d Ribavirin erhielten, wurden zu
Therapiewoche 4 und 12 die RBV-Plasmakonzentrationen bestimmt (Rendón et al.,
2005). Die RBV-Plasmaspiegel korrelierten signifikant mit der RBV-Dosierung pro
kg Körpergewicht. Darüber hinaus erwies sich die Ribavirin-Plasmakonzentration
sowohl in der univariaten als auch in der multivariaten Analyse als
unabhängiger Prädiktor für ein frühes virologisches Therapieansprechen und die
Entwicklung einer Ribavirin-assoziierten Anämie. Letztere war ebenfalls
assoziiert mit der gleichzeitigen Einnahme von Azidothymidin (AZT). Die
mittleren RBV-Plasmakonzentrationen betrugen 2.710 ± 1.070 ng/ml zu Woche 4 und
2.720 ± 890 ng/ml in Woche 12. Bei großer interindividueller Variabilität war
die intraindividuelle Variabilität zwischen Woche 4 und 12 gering.
Als unabhängiger Faktor für ein frühes
virologisches Ansprechen wurde die RBV-Exposition auch von Núñez et al. (2005)
identifiziert. Sie untersuchten in einer prospektiven Studie bei 198
HCV/HIV-koinfizierten Patienten die Prädiktoren für ein virologisches
Ansprechen zu Woche 4 und Woche 12. Zu demselben Ergebnis kamen Arase et al.
(2005) in einer Untersuchung an 68 HCV-monoinfizierten Patienten. Snoeck et al.
(2006) fanden im Rahmen einer Analyse von gepoolten Daten aus mehreren Studien
mit insgesamt 1.732 Patienten für eine sustained virological response (SVR)
allerdings lediglich einen Zusammenhang zur Ribavirin-Exposition beim
HCV-Genotyp 1, nicht jedoch beim Genotyp 2/3.
Eine Studie bei 31 Patienten mit
HCV-Monoinfektion (darunter 23 frühere Non-Responder) konnte einen
signifikanten Unterschied der RBV-Plasmakonzentrationen zu Woche 4 zwischen
Patienten mit nachfolgendem Non-
Response (mittlere
RBV-Konzentration 1.620 ng/ml) und solchen mit nachfolgendem SVR (mittlere
RBV-Konzentration 2.280 ng/ml) zeigen (Maynard et al., 2008). Für eine
cut-off-Konzentration von 2.000 ng/ml zur Woche 4 ergab sich eine Sensitivität
von 73% und eine Spezifität von 80%. Während bei einer RBV-Konzentration
>2.000 ng/ml 67% der Patienten eine SVR erzielten, waren es bei einer
RBV-Konzentration <2.000 ng/ml lediglich 16%. Marucco und Mitarbeiter (2008) konnten eine
signifikante Korrelation zwischen RBV-Talspiegeln und sowohl einer EVR als auch
einem SVR nur für den HCV-Genotyp 1 zeigen. Als geeigneter cut-off-Wert für die
Vorhersage eines Therapie-Ansprechens bzw. -Nicht-Ansprechens wurde eine
RBV-Konzentration von 1.600 ng/ml ermittelt. Eine RBV-Konzentration von
>2.300 ng/ml war assoziiert mit einem Hb-Abfall von >4 g/dl. 
Abb. 1: Mittlere RBV-Plasmakonzentrationen in unterschiedlichen
Therapiewochen bei Frauen und Männern mit chronischer HCV-Infektion im
Rahmen der antiviralen Therapie mit PEG-Interferon-alfa und Ribavirin
(n = 190), Schwerpunkt Infektiologie, Medizinische Klinik II,
Universitätsklinikum Würzburg)
In einer Pilotstudie erhielten 10 Patienten mit
HCV-Genotyp 1-Monoinfektion eine Ribavirin-Hochdosis-Therapie, initial
kalkuliert anhand pharmakokinetischer Formeln unter besonderer Berücksichtigung
der Nierenfunktion. Im weiteren Verlauf wurde die RBV-Dosis entsprechend
aktueller RBV-Plasmakonzentrationen angepasst, wobei Konzentrationen >3.650
ng/ml angestrebt wurden. Die mittlere verabreichte Dosierung in Woche 24 lag
bei 2.540 mg Ribavirin/d. Die RBV-assoziierte Anämie wurde mit Erythropoetin
und Transfusionen behandelt. Bei 9 der 10 Patienten konnte ein anhaltendes
virologisches Ansprechen erzielt werden (Lindahl et al., 2005).
Eigene Ergebnisse
Mittels HPLC (solid phase
extraction-HPLC-Methodik auf der Grundlage der Arbeiten von Homma et al. [1999]
und Larrat et al. [2003]) wurden bei 281 konsekutiven HCV-Patienten, 63%
HCV-Genotyp 1, 8% Genotyp 2, 27% Genotyp 3 und 2% Genotyp 4, im Therapieverlauf
insgesamt 1.320 RBV-Spiegel gemessen und im Hinblick auf die
Konzentrationsentwicklung in den ersten Therapiewochen, geschlechtsspezifische
Unterschiede, die Korrelation zur Dosierung/kg Körpergewicht, zur Einnahme
einer Mahlzeit zum Zeitpunkt der RBV-Einnahme, zum Zeitabstand zur RBV-Einnahme
sowie zum RBV-assoziierten HB-Abfall analysiert. Die mittlere RBV-Tal-Konzentration (Auswertung
auf der Basis der ersten 190 Patienten) stieg langsam von 1.531 ± 759 ng/ml in
Woche 1-2 auf 1.749 ± 649 ng/ml in Woche 3-4 und 1.882 ± 578 ng/ml in Woche 5-6
an. Im sicheren steady-state nach Woche 6 wurde ein mittlerer RBV-Spiegel von
2.149 ± 786 ng/ml erreicht. Frauen
wiesen durchweg höhere RBV-Spiegel auf als männliche Patienten (Abb. 1). Die
Unterschiede waren allerdings nicht statistisch signifikant. Patienten mit
einem frühen virologischen Ansprechen zeigten in der frühen Behandlungsphase
eine signifikant höhere mittlere RBV-Konzentration als Patienten ohne EVR
(Woche 1-2: 1.633 ng/ml bei Patienten mit EVR vs. 1.010 ng/ml bei Patienten
ohne EVR; p <0,05 (Abb. 2) Klinker et al., 2008).  Abb. 2: RBV-Plasmakonzentrationen bei Patienten mit chronischer HCV-Infektion im Rahmen der antiviralen Therapie mit PEG-Interferon-alfa und Ribavirin mit und ohne early virological response (EVR) in Therapiewoche 1-4, 5-8 und 9-12 (n = 83, Schwerpunkt Infektiologie, Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Würzburg)
Die gemessenen RBV-Konzentrationen zeigten eine
deutliche intra- und vor allem interindividuelle Varianz. Die mittlere
RBV-Konzentration betrug bei nüchterner RBV-Einnahme 2.118 ± 899 ng/ml, bei
Einnahme einer leichten Mahlzeit 2.069 ± 968 ng/ml, bei Einnahme einer
schwereren Mahlzeit 2.078 ± 871 ng/ml.
Es fand sich eine geringe
(Spearmann Rho 0,193), jedoch hochsignifikante (p = 0,003) Korrelation der
Ribavirin-Konzentration zur Dosierung/kg Körpergewicht. Eine mäßiggradige
(Spearmann Rho -0,1405), hochsignifikante (p <0,001) Korrelation fand sich
zum maximalen Hb-Abfall (Klinker et al., 2009). Prof. Dr. med. Hartwig Klinker Internist/Gastroenterologe/Infektiologe Schwerpunkt Infektiologie Medizinische Klinik und Poliklinik II Universitätsklinikum Würzburg Oberdürrbacherstr. 6 · 97080 Würzburg E-Mail: Klinker_H@klinik.uni-wuerzburg.de www.medpoli.uni-wuerzburg.de/hepinf Arase, Y, Ikeda K,
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