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Ausgabe 2 - 2009
Markus Heim, Basel Nicht-Ansprechen auf Interferon bei HCV-Therapie – Ursachen und mögliche Strategien zur Verbesserung Nur
etwa 50% der Patienten mit chronischer Hepatitis C können mit der gegenwärtigen
Standard-Therapie mit pegyliertem Interferon-a
und Ribavirin geheilt werden. Die Erfolgschancen einer Therapie hängen von
viralen Faktoren wie Genotyp und Viruslast, aber auch von Wirtsfaktoren wie
z.B. Ethnizität, Geschlecht, Alter, Insulinresistenz, Diabetes mellitus und BMI
ab. Molekulare Analysen von Leber-biopsien haben aufgezeigt, dass viele
Patienten schon vor der Therapie ein aktiviertes Interferonsystem in der Leber
haben, und dass diese Patienten dann nicht auf die Therapie ansprechen. Von
mehreren Gruppen wurde kürzlich veröffentlicht, dass die Therapie-Ansprechrate
mit Allelvarianten des Interleukin 28B Genes korreliert. Diese neuen
Erkenntnisse über die Ursachen des Nicht-Ansprechens auf Interferon basierte
Therapien könnten den Weg für therapeutische Ansätze öffnen, die auf eine
Verbesserung der Interferon-Wirkung abzielen. Es ist schon lange
bekannt, dass das individuelle Ansprechen auf eine Therapie bei chronischer
Hepatitis C (CHC) beträchtlich variiert. Es gibt Patienten mit exzellentem
Ansprechen, bei denen schon nach 4 Wochen Therapie das Hepatitis C Virus (HCV)
im Serum nicht mehr nachweisbar ist. Am anderen Ende des Spektrums sind
Patienten, die überhaupt nicht auf die Therapie ansprechen, bei denen also die
Viruslast im Serum unverändert bleibt. Dazwischen gibt es alle möglichen Zwischenformen.
Das Ansprechen auf die Therapie wird nach 4 Wochen (Rapid Virological Response;
RVR), nach 12 Wochen (Early Virological Response; EVR), am Ende der Behandlung
(End-of-Treatment Response; EoTR) und 6 Monate nach Therapieende (Sustained
Virological Response; SVR) bestimmt. Abbildung 1 zeigt die verschiedenen
Möglichkeiten des Therapieansprechens.  Abb. 1: Therapieansprechen bei chronischer Hepatitis C
Die Ursachen des Nichtansprechens wurden in
mehreren Studien untersucht. Der wichtigste virale Faktor ist der HCV-Genotyp.
Infektionen mit den Genotypen 2 und 3 werden häufiger erfolgreich behandelt als
Infektionen mit dem Genotyp 1 (Abb. 2). Ebenfalls wichtig ist die Viruslast vor
Behandlungsbeginn. Patienten mit Genotyp 1 und einer Viruslast über 2 Millionen
Kopien pro ml haben ein signifikant schlechteres Ansprechen als Patienten mit
tieferer Viruslast.  Abb. 2: Das Therapieansprechen ist maßgeblich vom HCV-Genotyp abhängig Die wichtigsten Wirtsfaktoren für das
Therapieansprechen sind Ethnizität, Geschlecht, Alter, Körpergewicht,
Insulinresistenz, Diabetes mellitus, Fibrosestadium der Leber und die
Leberverfettung. In verschiedenen Studien wurde immer wieder festgestellt, dass
African-Americans viel schlechter ansprechen als Kaukasier und Asiaten.
Männliches Geschlecht, Alter über 40, Übergewicht und Diabetes verringern die
Erfolgsaussichten. Auch und bei Leberverfettung und Leberzirrhose zeigt sich
ein signifikant schlechteres Ansprechen.
Kürzlich veröffentlichte Ergebnisse von
genetischen Assoziationsstudien haben interessante Zusammenhänge zwischen dem
Therapieansprechen und einer Allel-Variante des Interleukin 28B (IL28B) Genes
aufgezeigt.1-3 Ge und Koautoren identifizierten die zwei
unterschiedlichen Allele mit einem so genannten „single nucleotide
polymorphism“ (SNP) etwa 3 Kilobasen vom IL28B Gen entfernt. An dieser Stelle
kann entweder ein Cytosine (C) oder ein Thymidine (T) vorliegen. Patienten, die
homozygot für das T Allel (T/T Genotyp) sind, haben eine SVR von unter 30%,
Patienten mit einem C/C Genotyp aber einen SVR von über 75%.2
Interessanterweise ist die Häufigkeit des „schlechten“ T Allels viel höher bei
African-Americans als bei European-Americans oder bei Asiaten. Damit könnte
also das unterschiedliche Ansprechen von African-Americans, Kaukasiern und
Asiaten erklärt werden (Abb. 3).  Abb. 3: Die Häufigkeit des für das Therapieansprechen günstigen C-Allels ist bei Asiaten höher als bei Amerikanern Europäischer Abstammung. African-Americans mit einer tiefen C-Allel-Häufigkeit haben auch eine tiefe Sustained Virological Response (SVR) Rate Über welche Mechanismen diese Allelvarianten das
Ansprechen auf die Interferontherapie beeinflussen ist gegenwärtig noch nicht
klar. IL28B kodiert für Interferon lambda 3 (IFN-l3). Lambda Interferone sind
eine 2003 entdeckte Gruppe von antiviral aktiven Substanzen, die ähnlich wie
die alpha/beta Interferone wirken.4 Lambda Interferone wirken auch
gegen HCV.5 Wie genau nun aber genetische Veranlagungen im IFN-l3
Gen das Ansprechen auf IFN-a Therapien beeinflussen, werden zukünftige Untersuchungen noch
aufdecken müssen.
Prä-Aktivierung des
endogenen IFN-Systems verhindert Ansprechen auf pegIFNa
Die Interaktionen zwischen HCV und dem
angeborenen Immunsystem (innate immunity) wurden in den letzten Jahren von
mehreren Gruppen intensiv untersucht. Die Primärinfektion mit HCV führt häufig
zu einer chronischen Hepatitis C (ca. 70%). Es hat deshalb schon lange
interessiert, welche Mechanismen HCV entwickelt hat, um die meist hochwirksame
immunologische Abwehr auszuschalten. In Zellkultur-Experimenten konnte sehr
schön gezeigt werden, dass ein Virusprotein, die NS3/4A Protease, zwei wichtige
Signalübermittler für die Induktion der körpereigenen Interferone spaltet und
inaktiviert, nämlich TRIF und MAVS.6, 7 Da diese Spaltung und
Inaktivierung in Zellen äußerst effizient ist, konnte man davon ausgehen, dass
HCV auch die Aktivierung des körpereigenen IFN-Systems in der Leber von
infizierten Patienten verhindert. Überraschenderweise war dies aber nicht der
Fall. Sowohl bei Schimpansen als auch bei Patienten mit CHC findet sich häufig
eine überaus starke Induktion von IFN stimulierten Genen (ISGs) (Abb. 4).  Abb. 4: Induktion von Interferon stimulierten Genen (ISG) in der Leber von Schimpansen und Patienten mit CHC Trotz dieser Aktivierung des endogenen
IFN-Systems persistiert jedoch das Virus in der Leber. Entweder sind also die
ISGs nur in nicht-infizierten Hepatozyten hochreguliert, aber nicht in den
virus-befallenen Hepatozyten, und sind deshalb hinsichtlich viraler Replikation
wirkungslos. Oder aber HCV ist in der Lage, die entscheidenden antiviralen
Effektorsysteme zu neutralisieren. Gegenwärtig sind die Daten nicht
hinreichend, um zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu entscheiden.
Die Induktion des körpereigenen IFN-Systems in
der Leber ist aber nicht nur unwirksam in Bezug auf die spontane Elimination
des viralen Infektes, sondern verhindert auch das Ansprechen auf therapeutisch
verabreichtes pegIFNá.
Diese überraschende Entdeckung wurde von drei Arbeitsgruppen unabhängig
gemacht.8-10 In unserer Arbeitsgruppe haben wir 16 Patienten mit CHC
untersucht, die mit pegIFNá und Ribavirin therapiert wurden. 10 Patienten hatten einen RVR
und dann später auch einen SVR.6 Patienten sprachen nicht auf die
Behandlung an (primary non-responders). Bei allen Patienten wurden vor
Behandlung und 4 Stunden nach der ersten Injektion von pegIFNα eine
Leberbiopsie durchgeführt und Leukozyten aus dem Blut isoliert. Die globale
Genexpression wurde in diesen Proben mit Microarrays analysiert. Zusätzlich
wurde auch die IFN Signalübermittlung untersucht. Die Auswertung ergab, dass
die non-responder schon vor der Therapie eine starke Induktion von ISGs hatten,
und dass die Injektion von pegIFNα zu keiner weiteren Erhöhung der
Genexpression führte. Im Gegensatz dazu hatten die 10 Patienten mit einer RVR
und SVR keinerlei Zeichen der Geninduktion vor Behandlung, reagierten dann aber
auf pegIFNaï€ mit einer raschen und starken Expression von ISGs (Abb. 5). Bei den
Leukozyten zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden
Patientengruppen.  Abb. 5: Expression von 3 repräsentativen ISGs in der Leber und in Leukozyten von Patienten mit CHC. 4 Kontrollpatienten ohne CHC (Linien 1-4), 10 Patienten mit raschem Therapieansprechen (Rapid Response, RR), sowie 6 Patienten mit fehlendem Ansprechen (nonRR) wurden vor der Therapie (für RR Linien 5-14; für non-RR Linien 25-30) und 4 Stunden nach der ersten Injektion von pegIFN a untersucht (für RR Linien 15-24; für non-RR Linien 31-37) Alle drei Arbeitsgruppen
identifizierten in ihren Arbeiten eine Gruppe von Genen, deren Expression in
der Leber das Ansprechen auf die Therapie voraussagen lässt.8-10 Die
Entwicklung von prädiktiven Tests ist im Gange, aber gegenwärtig gibt es noch
keine validierten Verfahren, welche im Sinne einer individualisierten Medizin
das Ansprechen beim einzelnen Patienten mit genügender Sicherheit voraussagen
können.
Mögliche Ansätze zur
Verbesserung
Aus dem aufgezeigten
Zusammenhang zwischen Prä-Aktivierung des körpereigenen IFN-Systems und
dem
Nicht-Ansprechen auf die Behandlung lässt sich die Hypothese ableiten,
dass ein
Zurücksetzen des körpereigenen IFN-Systems in einen nicht-induzierten
Zustand
auch diese Patienten wieder zu IFNá-Respondern macht, die gegenwärtig
nicht auf die Standardtherapie
mit pegIFNá und Ribavirin ansprechen
können. Denkbar wäre hier z.B. der Einsatz von Antikörpern gegen IFNá,
analog zum Einsatz von TNFá Antikörpern beim Morbus Crohn. Eine
hochinteressante alternative Perspektive bieten erste noch nicht
bestätigte
Resultate, wonach die Unterdrückung der viralen Replikation mit
antiviralen
Medikamenten (NS3/4A Protease-Inhibitoren, NS5B Polymerase-Inhibitoren
oder
Cyclophilin-Inhibitoren wie Debio-025) ebenfalls zu einem signifikanten
Rückgang der ISG-Induktion führen kann. Falls dies bestätigt wird,
könnte damit
für viele IFNá-Non-Responder eine erneute
Behandlung mit einer Kombination von STAT-C Medikamenten (specifically
targeted
antiviral therapy against HCV) mit pegIFNá und Ribavirin zu einer viel
versprechenden Therapie mit guten
Heilungschancen avancieren. Prof. Markus Heim Klinik für Gastroenterologie · Universitätsspital Basel Hebelstraße 32 · CH - 4031 Basel E-Mail: markus.heim@unibas.ch Literatur
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Sugiyama M, Kurosaki M, Matsuura K, Sakamoto N, Nakagawa M, et al. Genome-wide
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2 Ge D, Fellay J, Thompson AJ, Simon JS, Shianna
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3 Suppiah V, Moldovan M,
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